Wissen schafft Klarheit

Steuerwissen für Hörakustiker.

121 Antworten. 9 Themenbereiche.

Gewinnermittlung & Buchhaltung

Was sind typische Buchhaltungsfehler bei Hörakustikern?

Fehler 1: Falsche Umsatzsteuersätze

In der Hörakustik gelten zwei verschiedene Steuersätze. Die Abgrenzung ist nicht immer offensichtlich:

  • Hörgeräte: grundsätzlich 7 % – wenn sie als Hilfsmittel im Sinne des SGB V eingesetzt werden
  • Zubehör, Batterien, Reinigungsprodukte: 19 %
  • Reparaturleistungen: 19 %
  • Servicepauschalen: je nach Leistungsinhalt 7 % oder 19 %

Wird auf einen Ausgangsumsatz ein zu niedriger Steuersatz angewendet, droht eine Nachzahlung. Wird ein zu hoher Steuerbetrag in der Rechnung ausgewiesen, wird dieser nach § 14c UStG grundsätzlich trotzdem geschuldet; zur Berichtigung ist eine Rechnungskorrektur erforderlich. Der Vorsteuerabzug aus Eingangsleistungen ist vom Steuersatz des eigenen Ausgangsumsatzes unabhängig.

Fehler 2: Fehlerhafte Kassenführung

Die Kasse ist in der Hörakustik häufig ein Prüfungsschwerpunkt:

  • fehlende oder lückenhafte Tagesabschlüsse (Z-Bons)
  • Kassenbuch-Negativsaldi – ein technisch unmöglicher Zustand, der auf Fehler hinweist
  • fehlende TSE-Zertifizierung des Kassensystems
  • nicht aufbewahrte Kassenbelege

Fehler 3: Unzureichende Inventur

Die Inventur ist Pflicht für bilanzierende Betriebe – und wird häufig vernachlässigt:

  • Warenbestand wird geschätzt statt gezählt
  • Vorführgeräte werden nicht vom Lagerbestand getrennt
  • Defekte oder veraltete Geräte werden nicht abgewertet
  • Keine Inventurliste erstellt oder aufbewahrt

Fehler 4: Reparaturpauschalen nicht abgegrenzt

Viele Krankenkassen zahlen Reparaturpauschalen für mehrere Jahre im Voraus. Bei bilanzierenden Betrieben sind diese Beträge über die Laufzeit abzugrenzen. Bei der EÜR gilt dagegen grundsätzlich das Zuflussprinzip: Die Pauschale wird im Zahlungsjahr als Betriebseinnahme erfasst.

Wer als bilanzierender Betrieb die Reparaturpauschale im Einzahlungsjahr vollständig als Ertrag bucht, weist zunächst einen zu hohen Gewinn und in den Folgejahren zu niedrige Ergebnisse aus. Bei der EÜR ist die vollständige Erfassung im Zuflussjahr dagegen grundsätzlich richtig.

Fehler 5: Betriebs- und Privatausgaben nicht getrennt

In inhabergeführten Betrieben vermischen sich häufig betriebliche und private Aufwendungen:

  • private Einkäufe über das Firmenkonto
  • privat genutzte Fahrzeuge, die vollständig als Betriebsausgabe gebucht werden
  • Bewirtungsbelege ohne Angabe von Anlass und Teilnehmern
  • Telefonkosten, die häufig privat veranlasst sind

Fehler 6: Zeitpunkt der Erlöserfassung

Wann gilt eine Hörgeräteversorgung als steuerlich realisiert? Mit Abgabe des Geräts? Mit Unterschrift des Kunden? Mit Zahlungseingang der Krankenkasse? Je nach Methode (EÜR oder Bilanz) und Kassenmodell kann der richtige Zeitpunkt unterschiedlich sein – und wird häufig falsch gebucht.

Fazit

Die meisten Buchhaltungsfehler in der Hörakustik entstehen aus fehlender Kenntnis der Branchenbesonderheiten. Wer die typischen Fehlerquellen kennt, kann sie systematisch vermeiden. Eine regelmäßige Durchsicht der Buchführung – am besten monatlich mit dem Steuerberater – ist der beste Schutz vor bösen Überraschungen bei einer Prüfung.

Häufige Folgefragen

Ihre individuelle Situation besprechen

Buchhaltung und Gewinnermittlung sind immer von der konkreten Betriebssituation abhängig. Wenn Sie wissen möchten, welche Lösung für Ihren Betrieb die richtige ist, sprechen Sie uns an.

→ Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen

Rechtsgrundlagen & Quellen

  • § 14c UStG

Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt und zuletzt am 09. September 2026 fachlich geprüft. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung im Einzelfall.

Persönliche Beratung

Ihre individuelle Situation besprechen

Jeder Hörakustik-Betrieb ist anders. Lassen Sie uns gemeinsam klären, welche steuerliche Gestaltung zu Ihrer Situation passt.

oder anrufen: 02202 2710100
Mandant werden bei Fastlane

Ihre unverbindliche Mandatsanfrage

Schritt 1 von 8

Was beschreibt Ihre Situation am besten?
Welche Rechtsform hat Ihr Betrieb?
Wie groß ist Ihr Betrieb?
Wie hoch ist Ihr aktueller Jahresumsatz?

Eine grobe Spanne genügt – das hilft uns, Ihre Anfrage einzuordnen.

Wobei sollen wir Sie unterstützen?

Mehrfachauswahl möglich.

Wann möchten Sie starten?
Wohin dürfen wir Ihren Beratungsvorschlag senden?